#Aufschrei, Sexismus und „Männer, die sich an Kindern vergehen“

Was ist?

Ich habe heute den Artikel „Dann mach doch die Bluse zu!“ von Birgit Kelle gelesen und ich bin froh! Ich bin froh, dass eine Frau diesen Artikel geschrieben hat. Ich bin froh, dass eine Frau so einen Blick auf das eigene Geschlecht hat und auch auf Männer. Ich bin froh endlich etwas zu diesem Thema zu lesen, bei dem ich sagen kann: Ja, auch ich als Mann denke so und stimme zu!

Warum hier?

Ich bin ohne Vater aufgewachsen. Seit meinem dritten Lebensjahr hatte ich nur Mutter und Schwester. Ich bin 1971 geboren – in der heißen Phase der Emanzipation (aus meiner Sicht zumindest). Ich bin aufgewachsen ohne selbstbewusste Männerbilder, ohne Fußball und ohne Bier. Landläufig würde man das heute vielleicht „Weichei“ nennen? Oder aber ein „emotionaler Mann“, der Frauen gut versteht? Ich bin mit „Unsere kleine Farm“, „Falcon Crest“ und „Lindenstraße“ aufgewachsen – mit „Mona Lisa“ und Alice Schwarzer  – gezwungenermaßen, denn ich hatte nie die Macht über die heimische Fernbedienung, geschweige denn über die Auswahl des Fernsehprogramms. Ich habe nie gelernt, wie man cool und männlich ein Mädchen in der Disco (so nannte man früher Clubs) aufreißt, ich wusste lange nicht, dass Frauen es mögen, wenn man das Arschloch raushängen lässt (oder warum haben die ganzen „sexistischen Jungs“ die guten Frauen (damals Mädchen) bekommen?).

Kurz gesagt: es war ein langer Weg zu lernen ein Mann zu sein, eine starke Schulter zum Anlehnen zu werden, zu akzeptieren, dass man eben für kleine Reparaturen zuständig ist (auch wenn man keine Ahnung hat wie) und auch die anderen kleinen, netten Klischees über die Aufgaben von Männern in Beziehungen. Zum Glück habe ich eine Frau gefunden, die mir viel beibringen konnte über „richtiges männliches Verhalten“, die auch jetzt, wo ich das kann, immer noch gerne an meiner Seite lebt, die mich sogar genau dafür heute liebt. Die es auch schön findet, wenn ich Ihr bewundernd auf den Po schaue oder sabbere, weil ich so scharf bin…

Und nun?

Ich wünsche mir nicht weiter durch dämliche Sexismus-Debatten diskriminiert zu werden, ich wünsche mir Mann sein zu dürfen und auch mal auf ein Dekolleté gucken zu können, weil es mir gefällt und nicht weil ich die Dame zum Objekt degradiere.

Und vor allem wünsche ich mir mal wieder an einem Kinderspielplatz völlig ohne Scham den Kindern beim Spielen zusehen zu können. Das habe ich früher gern getan, ich liebe Kinder!
Heute wird man ganz schön schräg begutachtet, ist per se erstmal ein Kinderschänder oder Fetischist – auf jeden Fall ist man als Mann verdächtig … bei Kindern, bei Frauen … und bald dürfen wir nicht mal mehr Führungspositionen besetzen. Was bleibt dann noch?  

Danke Birgit! Du hast mir heute ein großes Stück Hoffnung zurückgegeben, dass ich als Mann doch gar nicht so verkehrt bin!

Februar 1, 2013 |  by  |  Collektiv, Controvers
 

1 Comment


  1. Lieber Jörg, da stimme ich Dir vollkommen zu! Diese aktuelle Sexismuss-Debatte finde ich in der Tat sehr peinlich, letzlich ist sie aber vor Allem männerfeindlich. Da diskutieren sich die Leute wund und abends läuft The Beauty and the Nerd auf Pro7. Männer müssen aufs peinlichste ihre “Männlichkeit” unter Beweis stellen und die Frauen sind fast nackt oder in Mädchen-Schuluniformen verpackt. Das scheint keinen zu stören, traurig.
    Wir leben glücklicherweise in einem Land, wo jeder Mensch selbst entscheiden kann wie er sich kleidet, Global ist das nicht selbstverständlich! Wir Männer könnten, aufgrund dieser “Aufschrei”-Debatte zu dem Schluß kommen, dass sichtbare Dekoltees der vorsätzlichen sexuellen Manipulation von Männern dienen und dies zum Beispiel bei Bewerbungsgesprächen zu unterlassen sei. Ist das nicht vollkommen absurd?
    Thomas Weber