compunisten on Tour – Je ne comprends pas
Was ist?
Sie ist schon sehr hoch, die Sprachbarriere. Diesbezüglich wurden meine Erwartungen, die ich vor Antritt der Frankreichreise geäußert hatte, komplett erfüllt.
Englisch begegnet man in Frankreich praktisch gar nicht. Oder zumindest sehr selten. Und in einem einzigen Fall bot mir jemand einen Austausch auf Deutsch an – das war eine Empfangsdame in einem kleinen Hotel im Burgund.
An der Cote d’Azur sieht es etwas besser aus, wobei die Touristendichte (insbesondere an Briten und Amerikanern) selbst in der Nebensaison hier deutlich höher ist als im Burgund. Dort stellt man sich wohl einfach etwas stärker auf fremdsprachige Besucher ein. Und bei meiner ersten Unterkunft im Apartmentkomplex eines britischen Betreibers (mit fast nur britischen Gästen) konnte man wohl damit rechnen, dass an der Rezeption auch Englisch gesprochen wird.
Ansonsten bleibt in Frankreich eben nur – irgendwie logisch – Französisch, um sich in Hotels, Läden und Restaurants verständlich zu machen. Und da hapert es leider bei mir.
Warum hier?
Dass die Sprachschwierigkeiten meinerseits so groß sind, liegt auch daran, dass meine Kenntnisse des Französischen seit der Schulzeit (nach immerhin vier Jahren Unterricht) auf ein Minimum zusammengeschnurrt sind. Erstaunlicherweise machen mir die Ausspracheregeln kaum Probleme. Auch an Grammatik und Verbzeiten kann ich mich noch gut erinnern. Da haben die beiden verhassten Französischlehrerinnen wohl doch recht gute Basisarbeit geleistet.
Nur die Vokabeln fehlen. Was vermutlich auch daran liegt, dass ich in den vergangenen 20 Jahren so gut wie keinen Kontakt zum Französischen hatte. Englisch hingegen ist einfach ständig präsent – im Job, im Alltag, in der Freizeit und auf Reisen.
Dem Französischen hingegen kann man in Deutschland ziemlich gut aus dem Weg gehen. Wenn man ihm denn überhaupt begegnet. Aber in Frankreich muss man eben.
Und nun?
Die Franzosen geben sich wirklich sehr viel Mühe mit mir. Meine wichtigsten Sätze (Zimmerreservierung, Cafébesuch, Internet-Verbindung, Restaurant-Bestellung) verstehen sie dankenswerterweise immer auf Anhieb. Was dann oft dazu führt, dass sie meine übrigen Sprachkenntnisse komplett überschätzen und mich mit einem französischen Wortschwall überschütten, aus dem ich mit viel Glück noch den ein oder anderen Schlüsselbegriff (Bestätigung, schwarz, kostenpflichtig, gut durch) entnehmen kann.
In unvorbereiteten Konversationen allerdings stehe ich doch ziemlich auf dem Schlauch – etwa wenn mir ein freundlicher Franzose zu verstehen geben will, dass ich meine Sonnenbrille auf dem Autodach habe liegenlassen, nachdem er aufgrund des französischen Kennzeichens meines Mietwagens geschlossen hat, dass ich wohl Französin sein müsse. Oder wenn mir die freundliche Dame im Restaurant erläutern möchte, welche finanziellen Vorteile die Bestellung einer ganzen Flasche Rotwein im Vergleich zum üblichen Halbliter-„Pichet“ hätte.
Meine darauf folgende Hilflosigkeit wird souverän mit einem freundlichen Lächeln quittiert und die Ausführung ein zweites und notfalls auch ein drittes Mal wiederholt, garniert mit einzelnen englischen Begriffen, bis auch ich endlich verstanden habe, was mir mitgeteilt werden sollte.
Das zumindest hat sich also seit meinem letzten Besuch hier geändert: Man ignoriert zwar Fremdsprachen nach wie vor weitgehend, ist aber stets bereit, dem Fremden die eigene Sprache näherzubringen. Wenn das kein Zeichen von Weltoffenheit ist.

Manche Dinge ändern sich nie habe ich gedacht, als ich diesen Reisebericht las.
Vor 30 Jahren, als wir auf einer kleinen Insel an der Cote d’Azur Tauchurlaub
machten, ging es uns nicht anders. Leider hatte ich in der Schule kein Französisch und damals waren viele – meist ältere – Leute leider nicht so nett
und wir standen manchmal ganz schön blöd da. Allerdings hatten wir auch viele
lustige Erlebnisse, so habe ich auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse dort meine ersten (und letzten) Austern gegessen. Schön waren die Urlaube trotzdem und wir
waren mehrmals dort.
Unsere “Weinreisen” haben wir dann allerdings lieber in die Toskana gemacht.
Ich dachte, inzwischen fast zwei Generationen weiter, es hätte sich Grundlegendes
verändert, aber so ist sie halt die Grande Nation.