Gipfel und Gipfeli

Flagge der SchweizWas ist?

Eine Reise in das originale Monumental-Wunderland: die Schweiz.

Warum hier?

Den Berlinern wird ja gerne vorgeworfen, dass sie zur Großmannssucht neigen – es muss immer etwas größer, lauter und bunter sein als anderswo. Dabei ist dieser Vorwurf ganz und gar ungerecht, denn viele Regionen in Deutschland neigen zur Übertreibung. Etwa wenn sie mit ihren angeblich schweizerischen Dimensionen kokettieren. So gibt es etwa die Fränkische Schweiz oder die Sauerländer Schweiz. Und sogar Brandenburg und Schleswig-Holstein, die sicher für einiges bekannt sind, aber sicher nicht für ihre Berge, rühmen sich einer Märkischen bzw. Holsteinischen Schweiz.

Da lohnt sich ein Besuch beim Original („Wer hat’s erfunden?“), um die Perspektive wieder gerade zu rücken. Und ein paar Klischees zu bestätigen.

Und nun?

Das Tolle an der Schweiz ist, dass alle Klischees, mit denen im Kopf man dorthin reist, zuzutreffen scheinen: Alles ist so hübsch (für Berliner: unfassbar) sauber und ordentlich; die Siedlungen sehen aus, als hätte Märklin hier seinen Bausatz „Dorf“ abgekupfert.

Dorf Isenthal im Isental

Die Menschen sind etwas zurückhaltend und langsam, und sie sprechen eine lustige Sprache. Im Fernsehen laufen Dokumentationen über die Luxusgüterindustrie des Landes. Es gibt Regeln, an die sich alle halten, etwa bei Geschwindigkeitsbegrenzungen (sogar auf Autobahnen!) oder beim Entfernen von Hundedreck (die für Berliner sicherlich verblüffendste Erfahrung). Das Land ist so reich, dass man es sich leisten kann, frisch geerntetes Heu von den Almen per Hubschrauber ins Tal zu transportieren. Die Polizei ist etwas zurückhaltend und langsam und versteht sich tatsächlich als Freund und Helfer der Bürger.

Und dann erst die Berge. Das sind Berge, die diese Bezeichnung auch verdienen!

Der Eiger inklusive Nordwand

Allerdings: Manchmal übertreiben es die Schweizer mit dem Schweizerisch-Sein. Etwa wenn man keine drei Schritte tun kann, ohne über eine mehr oder weniger freundliche Hinweis-/Warn-/Verbotstafel zu stolpern. Und als Ausländer ist man in der Schweiz wohl nur dann gern gesehen, wenn man Geld ins Land bringt – sei es als Inhaber eines Schweizer Bankkontos oder als Tourist. Der Umgang mit Asylsuchenden erinnert dann doch wieder ein bisschen an Berlin-Hellersdorf, wenn auch in hübscherer Umgebung.

Ah ja

Aber alles in allem kann ich sagen: Die Schweiz ist ein unglaublich entspannendes und entspanntes Reiseland. Wenn man über das nötige Reisebudget verfügt. Und wenn man am 1. August, dem Nationalfeiertag (wo es dann Gipfeli, also Hörnchen, mit Schweizer Fähnchen gibt), im Land ist, bekommt man mit, dass die Schweizer ihre Zurückhaltung durchaus auch mal über Bord werfen und ordentlich auf den Putz hauen können. Etwa mit Schweizer Krachern. Das Faszinierendste dabei: Ab Punkt 0:00 Uhr, also wenn der Feiertag vorbei ist, wird auch nicht mehr geböllert. Kein Bisschen. Erzählen Sie das mal einem Berliner am Neujahrstag!

Grindelwald am Nationalfeiertag

August 24, 2013 |  by  |  Collektiv
 

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