Stille Post

Was ist?

Das alte Kinderspiel „Stille Post“ hat schon manche Party aufgeheitert, wenn ein einfacher Satz, von verschiedenen Teilnehmern genuschelt, am Ende der Kette absurd entstellt wieder zum Vorschein kam. Dieses Spiel erfährt eine Modernisierung durch die diversen Online-Übersetzungsmaschinen, die im Netz kostenlos verfügbar sind. Spaß an Fremdsprachen – hier kann man ihn wirklich haben.

Warum hier?

Science Fiction hat mich nie besonders interessiert, aber ein Gadget in den Star-Trek-Serien hat mich wirklich fasziniert: Der Universalübersetzer. Ein Hilfsmittel, das es seinem Anwender erlaubt, jede beliebige Fremdsprache zu verstehen – und vom Gegenüber verstanden zu werden. Es ist ein alter Traum der Menschheit, dass sich Menschen unterschiedlicher Nationalität und Sprache problemlos und fließend verständigen können, ohne die Hilfe von Dolmetschern, an jedem Ort der Welt. Wie viele Missverständnisse und wie viel Aggression wohl verhindert werden könnten, wenn die Menschen uneingeschränkt miteinander kommunizieren könnten?

Ein vergleichbares Hilfsmittel wurde für die mündliche Kommunikation zwar noch nicht entwickelt, aber immerhin gibt es inzwischen diverse Online-Übersetzungsmaschinen, Programme und Apps, die Text in andere Sprachen übersetzen können. Oder es zumindest versuchen.

Bei den Vorbereitungen zu meiner anstehenden Frankreich-Reise wollte ich nicht nur auf die klassischen Hotel-Buchungsseiten (die ja international und damit mehrsprachig angelegt sind – also auch in Deutsch und Englisch) zurückgreifen, sondern lieber ein bisschen individueller planen. Land und Leute kennenlernen statt der gängigen Touristen-Herbergen. Leider ist mein Schulfranzösisch inzwischen so eingerostet, dass ich mir eine etwas komplexere Reservierungsanfrage ohne Hilfestellung nicht mehr zutraue – und bekanntermaßen stößt man in Frankreich ja schnell an eine Fremdsprach-Barriere. Lebhaft in Erinnerung geblieben ist mir etwa der Verkäufer eines Campingplatz-Kiosks, der sich vor etwa 25 Jahren standhaft weigerte zu verstehen, dass ich ein Baguette haben wollte – nur weil ich nach „un baguette“ statt „une baguette“ gefragt hatte.

Aber ich will den französischen Nachbarn noch einmal eine Chance geben. So begann ich das lustige Spiel mit den Online-Übersetzungsmaschinen. Immerhin reichen meine Sprachkenntnisse noch aus, um gröbere Schnitzer bei Satzbau und Vokabular zu erkennen, aber etliche Sprachverdreher sind mir vermutlich doch durchgerutscht. Denn die Qualität der Übersetzungen kann man leicht erkennen, indem man einmal übersetzte Texte zurück in die Ausgangssprache übersetzen lässt. Das geht dann etwa so:

D: Ich würde gern ein Zimmer bei Ihnen reservieren, was würde es inklusive Frühstück kosten?

F: Je voudrais réserver une chambre avec vous, quel serait le coût, y compris le petit déjeuner?

D: Ich möchte ein Zimmer mit Du, was würde es kosten, inklusive Frühstück buchen?

F: Je voudrais une chambre avec vous, quel serait le coût pour le petit déjeuner inclus livre?

D: Ich möchte ein Zimmer mit Ihnen, was würde es für das Frühstück Buch kosten?

Usw. usf.

Wie man sieht: Missverständnisse sind programmiert – selbst wenn es nicht wie im „Meine Nachbarin hat Kohlmeisen…“-Beispiel eskalieren muss.

Und nun?

Nun vertraue ich darauf, dass die letzten Jahrzehnte Globalisierung auch an den Franzosen nicht spurlos vorübergegangen sind, wir gemeinsam unsere Brocken an Französisch, Englisch und Deutsch in einen Topf werfen – und ich am Ende ein Zimmer mit Frühstück bekomme. Ganz für mich allein.

Mai 22, 2012 |  by  |  Competenz
 

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