… und raus bist du!

Was ist?

Es gibt wirklich Schlimmeres, aber: Woody Allen hat seine deutsche Stimme verloren. Und das ist eine schlechte Nachricht.

 

 

 

Warum hier?

Ich bin kein Freund von synchronisierten Filmen. Zu viel Atmosphäre, Sprachwitz und Timing geht verloren, außerdem möchte ich den Schauspieler hören, den ich sehe. Allerdings: Es gibt Ausnahmen. Wenn es dem Sprecher bzw. der Sprecherin gelingt, aus der deutschen Aufnahme eine eigene, auf die deutsche Sprache passende Figur zu machen, kann bei einer Synchronisation ein ganz eigenes Kunstwerk entstehen. Zu diesen großartigen Ausnahmen gehörte bisher die Synchronisation von Woody Allen in seinen Filmen. Die deutsche Fassung seiner Charaktere unterscheidet sich deutlich von denen des Originals – deren Figur wurde nicht einfach kopiert, sondern gleichsam in eine passende, deutsche Tonart transponiert. Der Urheber dieser bemerkenswerten Leistung ist Wolfgang Draeger, der seit fast 50 Jahren den Figuren Woody Allens diesen auf die deutsche Sprache passenden Charakter verliehen hat, was zu manchem Erfolg von Allens Filmen in Deutschland beigetragen haben dürfte.

Woody Allen © David Shankbone (http://blog.shankbone.org/about)

Damit ist es nun allerdings vorbei. Es soll Woody Allen selber gewesen sein, der die Abberufung Draegers verlangt haben soll, weil dessen Stimme angeblich zu alt klänge. Draeger hatte nämlich die Erstfassung des Trailers zu Allens neuestem Film „To Rome With Love“ noch synchronisiert, – zu seinem Pech wohl kurz nach einer Kieferoperation – und wurde danach urplötzlich gefeuert (und der Trailer neu bearbeitet). Das Alter wäre ein eigenartiges Argument, denn auch Woody Allen (inzwischen 76 Jahre alt) ist in seinem neuesten Film, auch stimmlich, nicht direkt in einen Jungbrunnen gefallen. Von der unangenehmen Empfindung abgesehen, dass sich die deutsche Stimme eines Schauspielers durch eine Umbesetzung schlagartig ändert (wo einem doch selbst das Original fremder vorkommt als sein deutsches Pendant) ist das ein bedauerlicher Verlust für alle deutschen Allen-Fans. Außerdem ist es ein beschämender Umgang mit einem Künstler, der über einen langen Zeitraum mit dafür gesorgt haben dürfte, dass etliche von Allens Filmen im deutschsprachigen Raum zu Erfolgen wurden. Die neue Stimme wird dem New Yorker Filmemacher übrigens von Freimut Götsch verliehen. Der kann nichts dafür, aber ich glaube nicht, dass ich mich an ihn werde gewöhnen können.

Und nun?

Ich werde mir ein Kino suchen müssen, das den Film im Original zeigt. Oder auf die DVD warten. Aber ich werde diesen Draegerschen Tonfall, irgendwo zwischen Panik und Empörung, zwischen versuchter Coolness und endgültiger Verzweiflung, vermissen.

Ein Gespräch mit Wolfgang Draeger dazu gibt es im Podcast von modulopfer.de zu hören.

September 7, 2012 |  by  |  Collektiv
 

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